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Ist Bio gesünder? Die Wahrheit über Bio-Lebensmittel

Ist Bio gesünder? Die Wahrheit über Bio-Lebensmittel

Noch vor wenigen Jahrzehnten waren Bio-Lebensmittel ausschließlich in Reformhäusern und wenigen Bio-Märkten erhältlich. Doch das hat sich in den letzten Jahren drastisch gewandelt. Heute finden wir sie in jedem Discounter. Doch ist Bio wirklich gesünder als konventionell hergestellte Lebensmittel? Dem versuchen wir heute auf den Grund zu gehen.

Dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zufolge, wurden von 2001 bis 30.09.2021 knapp 95.000 Produkte von 6360 Unternehmen unter dem deutschen Bio-Siegel registriert. 1

Seit der Einführung des sechseckigen, deutschen Bio-Siegels im Jahre 2001 hat die Nachfrage an Bio-Produkten dramatisch zugenommen. 

Laut Statista.com hat der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln allein in Deutschland von 2000 bis 2020 auf ca. das 7,5-Fache zugelegt und beträgt heute rund 15 Milliarden Euro pro Jahr, Tendenz steigend. 2

Laut dem Ergebnis der repräsentativen Umfrage zum Ernährungsreport 2021 des BMEL achten 64 % der Befragten beim Einkauf "immer" oder "meistens" auf das Bio-Siegel. 3

Doch sind Bio-Lebensmittel in aller Regel deutlich teurer als konventionell hergestellte Produkte. Je nach Produkt zahlt man mitunter bis zu dem 3-fachen des Preises von Nicht-Bio-Lebensmitteln. Doch lohnt sich das wirklich für die Gesundheit?
Bio ist nicht gleich Bio

Bio ist nicht gleich Bio

Wenn wir über Bio-Lebensmittel reden, dann kommt den meisten von uns sicherlich das grüne, sechseckige Siegel mit der großen Inschrift “BIO” in den Sinn. 

Dabei handelt es sich um den deutschen Vertreter der Bio-Kennzeichnung nach der Rechtsverordnung der Europäischen Gemeinschaft.

Mit diesem Bio-Siegel können Produkte und Lebensmittel gekennzeichnet werden, die nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau produziert und kontrolliert wurden.

Diese EU-weit gültigen Rechtsvorschriften garantieren einheitliche Standards für den ökologischen Landbau. Das Bio-Siegel steht somit für eine ökologische Produktion und artgerechte Tierhaltung.

Zusätzlich dazu tragen alle vorverpackten Lebensmittel, die diesen Standards entsprechen und in einem der EU-Mitgliedsstaaten hergestellt wurden, seit dem 1. Juli 2012 das EU-Bio-Logo. 

Wir kennen das als grünes Rechteck mit 11 weißen Sternen, die in ihrer Formation ein Blatt darstellen. 

Darüber hinaus finden wir im Supermarkt und in Bio-Märkten einige weitere Siegel und Logos von unterschiedlichen Verbänden, die unterschiedliche Vorgaben hinsichtlich der Erzeugung von Lebensmittel machen.

Alle von ihnen erfüllen jedoch mindestens die Standards der EG-Öko-Verordnung. Ich habe Dir tabellarisch mal einen kleinen Vergleich aufgestellt, der einige ausgewählte Kriterien beinhaltet.
Ein vollständiger Vergleich würde an dieser Stelle leider den Rahmen sprengen, doch Du findest die Standards der ausgewählten Verbände auf den Webseiten, die ich Dir in den Quellenangaben verlinkt habe. 4 5 6 7 8  

In Baden-Württemberg, Bayern sowie den neuen Bundesländern gibt es zudem zusätzliche regionale Bio-Siegel. In das österreichische Pendant zum staatlichen deutschen Bio-Siegel ist das AMA-Bio Siegel. 9 10 11 12

Wenn wir im Folgenden darüber diskutieren, ob Bio-Lebensmittel gesünder sind, als konventionelle Produkte, können wir leider kaum zwischen den Standards der einzelnen Verbände unterscheiden. 

Schauen wir uns aber einmal an, was uns die Untersuchungen sagen.
Ist Bio-Fleisch gesünder als Fleisch aus konventioneller Tierhaltung?

Ist Bio-Fleisch gesünder als Fleisch aus konventioneller Tierhaltung?

Gerade beim Fleisch ergibt sich der größte Preisunterschied zwischen Bio- und konventionellen Produkten. Warum ist das so?

Nun, zum einen muss Tieren aus Bio-Betrieben deutlich mehr Platz angeboten werden als ihren konventionell gehaltenen Artgenossen und sie bekommen zusätzlich Freilauf. Zusätzlich dürfen sie in der Regel länger leben und werden langsamer gemästet. 

Durch die langsame Aufzucht und Mast ist insgesamt auch eine größere Menge und andere Zusammensetzung an Futtermitteln notwendig, die das Tier in seinem Leben frisst. 

Zusätzlich dürfen die Futtermittel ebenfalls nur aus Ökolandbau stammen und müssen je nach Verband zu mindestens 20-50 % vom Haltungsbetrieb der Tiere selbst angebaut und geerntet werden. Ebenfalls werden Vorschriften hinsichtlich der Zusammensetzung gemacht.

Sicherlich gibt es noch weitere Faktoren, die beim Preis eine Rolle spielen, doch das sind in meinen Augen die wesentlichen. Wir sprechen hier teilweise vom bis zu 3-Fachen!
Aber lohnt sich dieser Mehrpreis für die Gesundheit? 

Eine Meta-Analyse aus dem Jahre 2016, in dem 343 Studien aus aller Welt, hauptsächlich aber aus der EU zwischen 1992 und 2014 berücksichtigt wurden, hat Fleisch aus ökologischer und konventioneller Erzeugung verglichen. 13

Hinsichtlich der Zusammensetzung des Fettgehaltes insgesamt zeigte die Analyse keinen statistisch signifikanten Unterschied. Allerdings enthielt das Bio-Fleisch im Durchschnitt einen höheren Gehalt mehrfach ungesättigter fettsäuren und weniger einfach ungesättigte sowie gesättigte Fettsäuren. 13
Insgesamt enthielt das Bio-Fleisch ebenfalls mehr Omega-3 Fettsäuren sowie ein geringeres Omega-6 zu Omega-3 Verhältnis. Grundlage dafür war jedoch ein höherer Gehalt an Alpha-Linolensäure (ALA), nicht aber Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). 13

Den Unterschied zwischen Omega-3 und Omega-6 sowie zwischen ALA, EPA und DHA haben wir im Artikel “Omega-3: Wirkung, Lebensmittel und Dosierung? (36 Studien)” erklärt. Wenn Du den Unterschied bisher nicht kennst, findest Du dort alle wichtigen Infos. 

Leider weisen die Daten eine sehr große Heterogenität auf. Das bedeutet, dass die Ergebnisse zwischen den Studien stark schwanken und daher nur für Geflügel und einige Parameter beim Schweinefleisch eine statistische Signifikanz erreichten. 13

Das Einzige, was uns diese Studie wirklich sagt ist, dass die bisherigen Studien keine abschließende Aussage hinsichtlich der Zusammensetzung der Fettsäuren zwischen Fleisch aus ökologischer und konventioneller Haltung zulassen.

Die Gründe dafür können verschieden sein und beispielsweise auf die gehaltenen Rassen, die verwendeten Futtermittel und die Lebensdauer der Tiere zurückzuführen sein.
Und selbst wenn man die oben dargestellten Ergebnisse als gegeben hinnehmen würde, wären die Auswirkungen auf die Gesundheit kaum relevant. 

Der durchschnittlich um 47 % höhere Anteil an Omega-3 Fettsäuren sowie der um 23 % höhere Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren ergibt in der Praxis gerade einmal einen absoluten Unterschied von 280 und 1000 mg, wenn man 100 g reines Rinderfett essen würde.

Bei einem durchschnittlichen Fleischverzehr in Deutschland von aktuell rund 192 g pro Person am Tag ist es sehr unwahrscheinlich, dass ein einzelner Mensch langfristig derart hohe Mengen an Fleischfett zu sich nimmt. 14

Dennoch ist festzuhalten, dass es wissenschaftlich anerkannt ist, dass das Futter von Tieren der gleichen Art und Rasse die Zusammensetzung der Fettsäuren beeinflusst. 15  

Zusammengefasst erhöht ein hoher Anteil von Getreide im Futter den Fettansatz von Rindern und führt zu einer stärkeren Marmorierung des Fleisches, wohingegen ein höherer Anteil von Gras und Heu zu einem magereren Fleisch mit einem höheren Omega-3 Gehalt beiträgt. 16 17

Fleisch von grasgefütterten Tieren besitzt ebenfalls einen höheren Anteil an Vitamin A und E sowie einigen Antioxidantien, wie Glutathion und Superoxid-Dismutase. 17

Allerdings stellten weitere Studienreviwes auch hier die Bedeutung dieses Unterschieds im Kontext des allgemein geringen Gehaltes dieser Stoffe im Fleisch in Frage.  18

Die Richtlinien der meisten Bio-Verbände treffen zwar eine Aussage darüber, welche Futtermittel nicht oder nur anteilig verwendet werden dürfen, doch spezifizieren sie beispielsweise nicht, wie viel Gras und Heu mindestens enthalten sein muss.
Senken Bio-Lebensmittel die Aufnahme von Pestiziden?

Senken Bio-Lebensmittel die Aufnahme von Pestiziden?

Ein wichtiger Grund, aus dem Menschen zu Bio-Produkten greifen ist, dass sie sich eine geringere Aufnahme von Pestiziden versprechen.

Als Pestizide bezeichnen wir Pflanzenschutzmittel, die im Ackerbau dabei helfen, die Ernte vor Unkraut, Insekten, Pilzen und anderen schädlichen Einflüssen zu schützen. Daher können vor allem Obst, Gemüse und Getreideprodukte Rückstände von Pestiziden aufweisen. 19

Um ein Vielfaches geringere Mengen sind hingegen in tierischen Produkten enthalten, mit der Ausnahme von Leber. Dieses Stoffwechselorgan stellt eine Art Filter dar und ist bei Mensch und Tier für den Abbau von Stoffwechselprodukten und Toxinen verantwortlich. 19

Ergebnisse aus aktuellen Studienreviews deuten darauf hin, dass der Wechsel von konventionellen Pflanzenprodukten auf entsprechende Bio-Lebensmittel, die Aufnahme von Pestiziden im Durchschnitt reduziert. 20 21

Allerdings können auch konventionelle Lebensmittel einen niedrigen Gehalt an Pestiziden aufweisen oder gar frei von Pestiziden sein. 

Beispielsweise enthalten Vollkorngetreide generell einen deutlich höheren Anteil als Produkte aus poliertem Getreide wie beispielsweise weißer Reis, herkömmliche Pasta oder Weißmehlprodukte. 22

Grund dafür ist, dass sich Pestizide nur auf der Oberfläche von damit behandelten Lebensmitteln befinden, nicht aber in ihrem Inneren. Das Schälen und Polieren von Getreide, aber auch Waschen und Schälen von Obst und Gemüse reduziert die Belastung erheblich. 22
Dennoch weist das äußerst konservative Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) darauf hin, dass geringe Mengen an Pestizidrückständen sowohl aus der konventionellen, als auch ökologischen Landwirtschaft als unbedenklich gelten. 23

Du kennst sicher den Spruch: “Alles ist Gift und nichts ist ohne Gift, allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist”. Er stammt vom schweizer Alchemisten und Philosophen Paracelsus, der dies bereits Mitte des 16. Jahrhundert niedergeschrieben hat.

Dieser Satz besitzt bis heute Gültigkeit und bezieht sich auf so ziemlich jede Substanz, mit der wir in Berührung kommen. Selbst Sauerstoff und Wasser.

In Bezug auf Pflanzenschutzmittel, muss sich jede Substanz vor ihrer Zulassung in der EU einer Reihe von Untersuchungen unterziehen lassen, um zulässige Höchstmengen abzuleiten. 

Diese Höchstmengen sind laut dem BfR so festgelegt, dass ein sehr weiter Abstand zu der Dosis besteht, die im Tierversuch zu möglichen unerwünschten Wirkungen führt. Dabei werden für den Menschen zusätzlich große Sicherheitsfaktoren eingerechnet. 23

Dabei gelte laut dem BfR das sogenannte “ALARA-Prinzip”. Diese Abkürzung steht für „As Low As Reasonably Achievable“ oder aus Deutsch übersetzt „so niedrig wie vernünftigerweise erreichbar“. 23

Höchstgehalte werden also nie höher festgesetzt als es nach einer guten landwirtschaftlichen Praxis erforderlich ist und gleichzeitig selbst bei lebenslanger Aufnahme zu keinen gesundheitlichen Einschränkungen führen. 23

Es stimmt also, dass eine Ernährung, die auf Bio-Lebensmitteln basiert, im Durchschnitt der Bevölkerung zu einer geringeren Aufnahme von Pflanzenschutzmitteln führt. Allerdings bedeutet das nicht zwangsweise, dass sie dadurch auch gesünder sind.
Senken Bio-Lebensmittel das Risiko von Krankheiten?

Senken Bio-Lebensmittel das Risiko von Krankheiten?

Im Jahre 2018 machte ein französisches Paper Schlagzeilen, indem die Autoren zu dem Schluss kamen, dass ein hoher Anteil an Bio-Lebensmitteln in der Ernährung gegenüber einer vorwiegend aus konventionellen Lebensmittelauswahl über 5 Jahre hinweg das Risiko für Krebs um ca. 25 % senkt. 24  

Das Team um Julia Baudry nimmt an, dass dafür vor allem der geringere Gehalt an Pflanzenschutzmitteln verantwortlich sei. 24  

Einige Kommentare, Stellungnahmen und Zitationen in Studienreviews geben jedoch zu bedenken, dass diese Beobachtung allein auf einer Korrelation basiert und keinen kausalen Zusammenhang widerspiegelt. 22 23 25  

Ähnlich, wie ich das bereits in Episode #167 meines No-Bullshit Body Podcast mit dem Titel “gutes Fleisch, böses Fleisch” angesprochen habe, können Korrelationsstudien wie diese nur einen Zusammenhang darstellen, nicht aber, ob dieser kausal ist.

Das bedeutet konkret, dass Menschen, die häufiger Bio-Lebensmittel kaufen und essen, wahrscheinlich allgemein einen gesünderen Lebensstil aufweisen, weniger rauchen, weniger Alkohol trinken, mehr Ballaststoffe zu sich nehmen, seltener an Übergewicht leiden und einen aktiveren Lebensstil pflegen.

Es ist also ziemlich wahrscheinlich, dass nicht die Bio-Lebensmittel allein, sondern eine Kombination all dieser Faktoren zu einem geringeren Krebsrisiko beitragen. 

Weiterhin ist festzuhalten, dass die Autoren selbst einen Interessenkonflikt in ihrem Paper angeben. Einer der Autoren arbeitet unentgeltlich in 2 französischen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) mit, die im Handel mit Bio-Lebensmitteln agieren. 24

Bestätigt wird diese These durch ein aktuelles Studienreview, welches nicht nur das Risiko für Krebs, sondern für zahlreiche Erkrankungen ins Verhältnis zur Aufnahme von Bio-Lebensmitteln gesetzt hat. 22

Zwar bestätigen die Autoren, dass Personen mit einer Ernährung, die vorwiegend aus konventionellen Lebensmitteln besteht, mit höheren Mengen an Pestiziden in Berührung kommen, doch sei dies den Daten zufolge nicht ausreichend für eine definitive Aussage über den gesundheitlichen Vorteil einer Bio-basierten Ernährung. 22
Sind Bio-Lebensmittel besser zum Abnehmen geeignet?

Sind Bio-Lebensmittel besser zum Abnehmen geeignet?

Das gleiche französische Forscherteam, welches über den Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Bio-Lebensmitteln und dem Risiko für Krebs berichtet hat, analysierte anhand derselben Bevölkerungsgruppe die Assoziation zur Körpergewichtszunahme, Übergewicht und Fettleibigkeit. 26

Dabei schlussfolgerten sie, dass ihre Studie einen starken schützenden Einfluss des häufigen Verzehrs von Bio-Produkten auf das Risiko für Übergewicht und Fettleibigkeit, welcher jedoch von der gesamten Nahrungsmittelqualität abhängig ist. 26

Auch hier liegt der Teufel wieder im Detail. Wie die Autoren selbst festhalten, ist der Zusammenhang von der gesamten Nahrungsmittelqualität abhängig. 

Das bedeutet, dass der Effekt nicht gegeben ist, wenn die Menschen statt hochverarbeiteten, kalorienreichen Lebensmitteln aus konventioneller Produktion einfach zu hochverarbeiteten, kalorienreichen Bio-Lebensmitteln greifen.

Und auch hier gilt wieder: Eine Korrelation sagt nichts über einen kausalen Zusammenhang aus. Da der durchschnittliche Bio-Konsument unabhängig der Wahl zwischen Bio und konventionell allgemein gesünder lebt, sind es höchstwahrscheinlich andere Faktoren, die zu einem geringeren Auftreten von Übergewicht führen.

Das bestätigt beispielsweise auch eine aktuelle Untersuchung aus Italien. Sie berichtet, dass die Bio-Lebensmittel im Schnitt nicht signifikant weniger Kalorien, Fett, Zucker und Kohlenhydrate aufweisen, wenn man sie mit ihren konventionellen Pendants vergleicht. 27

Der beobachtete Zusammenhang zwischen Bio-Konsum und dem Körpergewicht muss also auf anderen Lifestyle-Faktoren beruhen, anstatt auf der Wahl zwischen ökologisch oder konventionell erzeugten Lebensmitteln. 27

Und am Ende des Tages hätte ich das auch nicht erwartet. Man kann sich auch mit konventionellen Lebensmitteln ebenso proteinreich und kalorienarm ernähren wie man sich mit kalorienreichen Bio-Lebensmitteln schlecht ernähren kann.  

Am Ende des Tages ist es die Kalorienbilanz, die über Zu- oder Abnahme entscheidet. Das predigen wir immer wieder!
Gründe, aus denen man tatsächlich öfter zu Bio greifen sollte

Gründe, aus denen man tatsächlich öfter zu Bio greifen sollte

Wenn wir uns noch einmal die Tabelle in Erinnerung rufen, die ich Dir weiter oben gezeigt habe, dann ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Kauf von Bio-Lebensmittel besonders im Hinblick auf das Tierwohl einen großen Unterschied macht.

Genau wie Bio nicht gleich Bio ist, ist konventionell hier auch nicht gleich konventionell. Daher haben sich Händler von Lebensmitteln auf eine einheitliche Kennzeichnung der Haltungsform geeinigt, die am 01. April 2021 startet.

Wenn zumindest hin und wieder Fleisch in Deinem Einkaufswagen landet, hast Du die Kennzeichnung der 4 Haltungsformen Stallhaltung, StallhaltungPlus, Außenklima und Premium sicherlich schon einmal beobachtet.

Während Haltungsform 1 die gesetzlichen Mindeststandards vorschreibt, sind für die Ausweisung der jeweils höheren Kategorie immer höhere Anforderungen erforderlich. Dennoch unterscheidet sich selbst Haltungsform 4 von den Mindestanforderungen des EU-Bio-Siegels.

Laut der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) bestehen die wichtigen Unterschiede in: 4

  • Bio-Tiere bekommen Bio-Futter, das ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger angebaut wird.
  • Die Zahl der Tiere auf einem ökologisch wirtschaftenden Betrieb ist flächengebunden, um Belastungen für Boden, Grund- und Oberflächenwasser zu vermeiden.
  • Ein vorbeugender Einsatz chemisch-synthetischer (allopathischer) Arzneimittel, wie zum Beispiel Antibiotika, ist in der Bio-Tierhaltung nicht erlaubt.
  • Bio-Standards gelten auch für das Metzgerhandwerk und andere Fleischverarbeiter!

Davon ausgehend bestehen teilweise höhere Standards bei den einzelnen Verbänden für ökologische Landwirtschaft.

Was das Klima angeht, denkst Du sicherlich, dass Bio hier ebenfalls die Nase vorn hat. Das habe ich auch gedacht, bevor ich mich auf die Recherche für diesen Artikel begeben habe. So einfach ist es allerdings nicht.

Eine aktuelle Studie vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU) hat den die ökologische Fußabdrücke von Lebensmitteln und Gerichten in Deutschland analysiert. 28

Hinsichtlich des CO₂-Fußabdrucks kam man beispielsweise zu dem Ergebnis, dass viele der untersuchten Bio-Lebensmittel sogar höhere CO₂-Emissionen verursachen als ihre konventionellen Vergleichsprodukte. 28
Als Grund dafür gibt das Institut in einer Pressemitteilung an, dass Biobetriebe mehr Fläche benötigen, da sie geringere Erträge erwirtschaften. Entsprechend legen die Forscher auch größere Flächen zugrunde, was zu höheren CO₂-Emissionen führen könne. 29
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie britischer Forscher, in der man in einem Szenario die Auswirkungen von 100 % Bio-Anbau in England und Wales berechnet hat. 30

Im Ergebnis stellte sich heraus, dass man aufgrund der um ca. 40 % niedrigeren Erträge in der ökologischen Landwirtschaft mehr Waren aus dem Ausland zukaufen müsste und am Ende durch die Transportwege sogar mehr Treibhausgasemissionen verursachen würde. 30

Allerdings sollte man nicht allein auf die CO₂-Bilanz schauen. Der verantwortliche Studienleiter Dr. Guido Reinhardt vom IFEU gibt in der Pressemitteilung zu bedenken: 29

„Die etwas höheren Emissionen werden durch den deutlich geringeren Pestizideinsatz, nachhaltigere Bodenbewirtschaftung und Erhöhung der Artenvielfalt viel mehr als wieder wettgemacht. Gerade in der Landwirtschaft kann ein allein auf die CO₂-Emissionen eingeengter Blick die ökologische Gesamtbewertung stark verfälschen“.

Der Anbau und Konsum von Bio-Lebensmittel allein retten also wahrscheinlich nicht das Klima. Dennoch sind sie schonender für Wasser, Boden und andere Ressourcen. 

Wer zudem noch mehr für die Umwelt tun möchte, sollte zudem nicht nur auf Bio-Siegel, sondern auch auf regionale Produktion achten, denn geringere Transportwege senken die CO₂-Emission deutlich.
Ist Bio gesünder? Mein Fazit.

Ist Bio gesünder? Mein Fazit.

Immer wenn ich einen Artikel wie diesen schreibe, komme ich nicht drumherum, tief in die Materie einzutauchen und die neuesten Studien zu wälzen, um Dir am Ende einen Artikel zu liefern, der nach den aktuellen Erkenntnissen informativer nicht sein kann.

Aber nicht nur Du kannst davon profitieren, sondern auch ich, denn ich lerne dadurch auch jedes Mal neue und interessante Dinge dazu. 

Bei diesem Artikel muss ich sagen, dass ich besonders viel neue Erkenntnisse sammeln konnte, auch, da das Themengebiet zu einem großen Anteil außerhalb der Ernährungsphysiologie liegt, mit der ich mich sonst sehr intensiv beschäftige.

Fassen wir noch einmal stichpunktartig zusammen, war wir gelernt haben:

  • Für Bio-Lebensmittel gelten strengere Richtlinien hinsichtlich des Ackerbaus, der Tierhaltung und Verarbeitung
  • Verschiedene Bio-Verbände wenden dabei unterschiedliche Standards an
  • Im Vergleich zu konventionell hergestellten Lebensmitteln weisen sie daher deutlich weniger Rückstände, besonders von Pflanzenschutzmitteln auf
  • Allerdings sind die Rückstände bei konventionellen Produkten ebenfalls so gering, dass in der Regel keine Gesundheitsgefahr besteht
  • Insgesamt gibt es bisher ebenfalls keine Daten, die belegen würden, dass Bio-Lebensmittel eine gesündere Nährstoffzusammensetzung aufweisen würden
  • Daher sind sie auch nicht per se überlegen, was den Gewichtsverlust angeht
  • Zwar ist der Kauf von Bio-Lebensmitteln damit wahrscheinlich nicht per se gesünder für den Konsumenten, wohl aber für die Umwelt und die Tiere
  • Zwar sparen Bio-Lebensmittel im Durchschnitt nicht mehr CO₂ als konventionelle Lebensmittel, schonen jedoch Boden, Wasser und Ressourcen

Am Ende ist mein Fazit über Bio-Lebensmittel sehr ähnlich zu dem, welches ich in Episode #167 meines No-Bullshit Body Podcast mit dem Titel “gutes Fleisch, böses Fleisch” getroffen habe. 

Meiner Meinung nach sollte die Entscheidung zu einer vorwiegend oder ausschließlich biologischen Ernährung ausschließlich auf ethischen Gründen basieren, nicht aber auf angeblichen gesundheitlichen Vorteilen.

Wenn Dir etwas an den Tieren liegt, die für Deine Lebensmittel gehalten oder geschlachtet werden, Du zur Schonung der Umwelt beitragen möchtest und natürlich das nötige Geld hast, dann solltest Du unbedingt darüber nachdenken, mehr Bio-Lebensmittel zu kaufen.

Klar, nicht jeder von uns ist finanziell dazu in der Lage. Wenn Du es Dir partout nicht leisten kannst, dann musst Du keine Angst um Deine Gesundheit oder Deinen Diäterfolg machen, wenn Du zu konventionellen Lebensmitteln greifst. 

Doch wenn es Dir nicht weh tut ein wenig mehr für Lebensmittel auszugeben, dann kannst Du mit deiner Kaufentscheidung die Welt ein kleines bisschen besser machen.

Ich hoffe für Dich war der Artikel genauso interessant wie für mich. Wenn Du Anregungen oder Ergänzungen hast, dann würde ich mich sehr über Deinen Kommentar freuen.
Nachweise
  1. Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: 20 Jahre Bio-Siegel. online, abgerufen am 24.11.2021 
  2. Statista.de: Umsatz mit Bio-Lebensmitteln in Deutschland in den Jahren 2000 bis 2020. online, abgerufen am 24.11.2021 
  3. Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) Referat Öffentlichkeitsarbeit (MK2): Deutschland, wie es isst - Der BMEL-Ernährungsreport 2021. Stand Mai 2021, online, abgerufen am 24.11.2021 
  4. Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE): Ökolandbau.de, online, abgerufen am 24.11.2021 
  5. Biokreis e.V. - Verband für ökologischen Landbau und gesunde Ernährung. online, abgerufen am 24.11.2021 
  6. Bioland e.V.: Unsere Richtlinien, online, abgerufen am 24.11.2021 
  7. Demeter: Unterschied von Bio zu Demeter, online, abgerufen am 24.11.2021 
  8. Naturland: Richtlinien Erzeugung, Stand 06/2021, online, abgerufen am 24.11.2021 
  9. Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR): Bio aus Baden-Württemberg, online, abgerufen am 24.11.2021  
  10. Agentur für Lebensmittel Produkte aus Bayern: Höhere Qualitätskriterien, online, abgerufen am 24.11.2021  
  11. Gäa: Richtlinien, online, abgerufen am 24.11.2021  
  12. Agrarmarkt Austria Marketing GesmbH: Das AMA-Biosiegel, online, abgerufen am 24.11.2021  
  13. Średnicka-Tober, Dominika, et al. "Composition differences between organic and conventional meat: a systematic literature review and meta-analysis." British Journal of Nutrition 115.6 (2016): 994-1011
  14. Statista.de: Fleischkonsum in Deutschland. online, veröffentlicht am 08.09.2021, abgerufen am 25.11.2021 
  15. Vahmani, Payam, et al. "The scope for manipulating the polyunsaturated fatty acid content of beef: a review." Journal of Animal Science and Biotechnology 3 (2016).
  16. Wood, J. D., et al. "Fat deposition, fatty acid composition and meat quality: A review." Meat science 78.4 (2008): 343-358.
  17. Daley, Cynthia A., et al. "A review of fatty acid profiles and antioxidant content in grass-fed and grain-fed beef." Nutrition journal 9.1 (2010): 1-12.
  18. Van Elswyk, Mary E., and Shalene H. McNeill. "Impact of grass/forage feeding versus grain finishing on beef nutrients and sensory quality: The US experience." Meat science 96.1 (2014): 535-540.
  19. European Food Safety Authority (EFSA), Luis Carrasco Cabrera, and Paula Medina Pastor. "The 2019 European Union report on pesticide residues in food." EFSA Journal 19.4 (2021): e06491.
  20. Brantsæter, Anne Lise, et al. "Organic food in the diet: exposure and health implications." Annual review of public health 38 (2017): 295-313.
  21. Mie, Axel, et al. "Human health implications of organic food and organic agriculture: a comprehensive review." Environmental Health 16.1 (2017): 1-22.
  22. Vigar, Vanessa, et al. "A systematic review of organic versus conventional food consumption: is there a measurable benefit on human health?." Nutrients 12.1 (2020): 7.
  23. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Schützen Bio-Nahrungsmittel vor Krebs?, Stellungnahme Nr. 025/2019 des BfR vom 4. Juli 2019 zu der „NutriNet-Santé“-Kohortenstudie, online, abgerufen am 25.11.2021 
  24. Baudry, Julia, et al. "Association of frequency of organic food consumption with cancer risk: Findings from the NutriNet-Santé prospective cohort study." JAMA internal medicine 178.12 (2018): 1597-1606.
  25. Hemler, Elena C., Jorge E. Chavarro, and Frank B. Hu. "Organic foods for cancer prevention—worth the investment?." JAMA internal medicine 178.12 (2018): 1606-1607.
  26. Kesse-Guyot, Emmanuelle, et al. "Prospective association between consumption frequency of organic food and body weight change, risk of overweight or obesity: results from the NutriNet-Santé Study." British Journal of Nutrition 117.2 (2017): 325-334.
  27. Dall’Asta, Margherita, et al. "The nutritional quality of organic and conventional food products sold in Italy: Results from the food labelling of Italian products (FLIP) study." Nutrients 12.5 (2020): 1273.
  28. Reinhardt, Guido, Sven Gärtner, and Tobias Wagner. "Ökologische Fußabdrücke von Lebensmitteln und Gerichten in Deutschland." Institut für Energie-und Umweltforschung Heidelberg (IFEU) (2020).
  29. Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH: Ob Apfel oder Ananas: Transport und Verpackung entscheiden oft über die Klimabilanz unserer Lebensmittel, Pressemitteilung vom 25,05,2020, online, abgerufen am 26.11.2021 
Smith, Laurence G., et al. "The greenhouse gas impacts of converting food production in England and Wales to organic methods." Nature Communications 10.1 (2019): 1-10.
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